Leistungsrelais am Motorrad: Zusatzverbraucher sicher schalten
Ein Navi oder eine USB-Buchse lässt sich problemlos direkt an eine geschaltete 12V-Leitung anschließen. Bei Zusatzscheinwerfern, Griffheizungen oder einem Kompressor ist das riskant: Eine vorhandene Fahrzeugleitung ist für ihre eigene Aufgabe dimensioniert und kann durch einen zusätzlichen Verbraucher überlastet werden. Wird stattdessen dauerhaft direkt an der Batterie abgegriffen, zieht das Gerät im Stand Strom und entlädt sie. Das Leistungsrelais löst beide Probleme, indem es den Steuerstrom vom Laststrom trennt.
Das Prinzip: Steuerstrom und Laststrom trennen
Ein Relais ist im Kern ein elektrisch betätigter Schalter. Eine geschaltete 12-V-Leitung - die Schaltleitung - steuert das Relais an und zieht dabei nur einen geringen Strom. Sobald an dieser Leitung Spannung anliegt (also bei eingeschalteter Zündung bzw. aktivem geschaltetem Plus), schließt das Relais den Lastkreis. Dieser Lastkreis wird über eine belastbare Leitung direkt von der Batterie gespeist.
Der hohe Laststrom fließt damit nie über eine dünne, für Zubehör ungeeignete Fahrzeugleitung, sondern über einen eigenen, ausreichend dimensionierten und abgesicherten Pfad. Gleichzeitig bleibt die Steuerung an die Zündung gekoppelt. Nach dem Ausschalten der Zündung fällt die Spannung an der Schaltleitung ab, das Relais öffnet, und die Verbraucher sind vollständig von der Batterie getrennt. Im Stand fließt kein Laststrom.
Wann sich ein Relais lohnt und wann nicht
Ein Leistungsrelais gehört zwischen Batterie und Verbraucher, sobald leistungsstarke Verbraucher betrieben werden sollen: Zusatzscheinwerfer, Griffheizungen, GPS-Geräte mit Zubehör, USB-Ladebuchsen mit mehreren Ports oder Kombinationen daraus. Ebenso sinnvoll ist es, wenn keine ausreichend belastbare geschaltete Leitung zur Verfügung steht, wohl aber ein geschaltetes Steuersignal (etwa vom ACC2-Anschluss, vom Standlicht oder von einem Zusatzschalter).
Nicht erforderlich ist ein Relais bei einzelnen kleinen Verbrauchern mit geringer Stromaufnahme, die problemlos an einem vorhandenen geschalteten Anschluss hängen können. Ein Zusatzinstrument wie der CUMPAN mit maximal 0,1 A ist ein typisches Beispiel; hier genügt der direkte Anschluss über den passenden Stecker.
Technische Daten des BOSCH-Leistungsrelais
Das im Sortiment verfügbare Leistungsrelais ist anschlussfertig mit Kabelstrang aufgebaut und verwendet ein BOSCH-Relais mit garantierten 100.000 Schaltvorgängen.
| Eigenschaft | Wert |
|---|---|
| Maximale Stromstärke (Verbraucher) | 10 A / 12 V |
| Relais belastbar bis | 20 A / 12 V |
| Absicherung | 10 A Flachsicherung |
| Stromaufnahme Schaltleitung | 100 mA / 12 V |
| Schaltvorgänge (garantiert) | 100.000 |
| Lieferumfang | 1× Leistungsrelais mit Kabelstrang |
Die Flachsicherung mit 10 A begrenzt den Laststrom; das Relais selbst ist bis 20 A belastbar und verkraftet damit auch kurzzeitige Einschaltströme. Die Schaltleitung zieht 100 mA. Diesen Steuerstrom liefert praktisch jede geschaltete Fahrzeugleitung.
Anschluss
Der Anschluss erfolgt in zwei getrennten Kreisen. Der Verbraucher (Zusatzscheinwerfer, USB-Ladebuchse, GPS, Heizgriffe) wird direkt an die am Leistungsrelais vorhandenen Flachstecker angeschlossen. Alternativ kann für die Verbindung eine WAGO-Klemme verwendet werden.
Die Schaltleitung (schwarz-weißes Kabel) wird an eine geschaltete 12V-Leitung angeschlossen. Das Signal kann zum Beispiel von einem ACC2-Anschluss, vom Standlicht oder von einem Zusatzschalter kommen. Entscheidend ist nur, dass diese Steuerleitung geschaltet ist, damit das Relais mit der Zündung ein- und ausschaltet.
Für einen sauberen, geschützten Kabelverlauf empfiehlt sich zusätzlich ein Spiralband zur Bündelung.
- Leistungsrelais 12V geschaltet (BOSCH) – anschlussfertig mit Kabelstrang
- 12V-Anschlussstecker – modellspezifisch – für den Anschluss der Schaltleitung
- WAGO Klemme – zur Verbindung der Verbraucher
Abgrenzung zum Batteriewächter
Relais und Batteriewächter werden gelegentlich verwechselt, erfüllen aber unterschiedliche Aufgaben. Das Relais schaltet lastseitig nach einem Steuersignal, in der Regel der Zündung, und trennt die Verbraucher, sobald dieses Signal wegfällt. Der Batteriewächter dagegen reagiert auf den Ladezustand der Batterie und trennt Verbraucher, wenn die Spannung unter einen eingestellten Wert fällt, unabhängig von der Zündung. Beides lässt sich kombinieren: Das Relais entlastet die Fahrzeugleitung und koppelt die Verbraucher an die Zündung, der Batteriewächter sichert zusätzlich die Restkapazität ab. Mehr dazu im Beitrag Batteriewächter fürs Motorrad: Tiefentladeschutz für Zusatzverbraucher.
Fazit
Sobald leistungsstarke Verbraucher ins Spiel kommen, ist das Relais der saubere Weg: Die Fahrzeugleitung trägt nur noch den Steuerstrom von 100 mA, der Laststrom läuft über einen eigenen, abgesicherten Pfad direkt von der Batterie, und mit dem Ausschalten der Zündung sind die Verbraucher wieder vollständig getrennt. Damit erledigt ein einzelnes Bauteil, was sonst entweder die Fahrzeugverkabelung überlastet oder die Batterie im Stand leert.
Hinweis: Die Gesamtstromaufnahme der angeschlossenen Verbraucher muss innerhalb der Absicherung liegen. Angaben ohne Gewähr – im Zweifel den Kabelquerschnitt und die Absicherung prüfen.
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