Zum Hauptinhalt springen Zur Suche springen Zum Menü springen

FANTIC Caballero 500 auf dem Prüfstand: Neu gegen Alt – Minarelli gegen Zongshen

Fantic verspricht für die Caballero 500 ab Modelljahr 2025 mehr Leistung – einen neuen italienischen Minarelli-Motor statt des bisherigen chinesischen Zongshen. Wir wollten wissen, was von dieser Werksangabe wirklich am Hinterrad ankommt, und haben beide Generationen auf demselben Rollenprüfstand vermessen: 2019/20 Zongshen (Euro 4) gegen 2025 Minarelli (Euro 5+). Gemessen wurde nicht nur die Radleistung, sondern parallel das Abgas mit einer externen Breitband-Lambda-Sonde – damit lässt sich nicht nur sagen, wie viel der Motor leistet, sondern auch, wie fett oder mager er abgestimmt ist.

Dieser Bericht fasst die Messungen im Detail zusammen und ergänzt das Video um Zahlen, Diagramme und Hintergründe zum Nachlesen.

Motoren Modellhistorie

Von 2018 bis 2024 baute Fantic die Caballero 500 mit einem Einzylinder aus chinesischer Produktion: dem Zongshen NC450, 449 cm³ (94,5 × 64 mm), eine obenliegende Nockenwelle (SOHC), vier Ventile. Der NC450 ist kein reiner Fantic-Motor – derselbe Grundmotor steckt unter anderem auch in der Kove 450. Innerhalb der Caballero-Baureihe gab es zwei Ausbaustufen. Von 2018 bis 2020 lief der Motor als Euro 4. Ab 2021 kam Euro 5 – derselbe Grundmotor, aber mit neuem Mapping, größerer Drosselklappe (40 mm statt 34 mm), Anti-Hopping-Kupplung, angepasstem Auspuff/KAT und einem länger übersetzten fünften und sechsten Gang.

Ab 2025 sitzt – laut Fantic – ein neuer italienischer Minarelli-Motor im Rahmen. Nüchtern betrachtet sieht man von außen jedoch sofort, dass der Grundmotor unverändert von Zongshen übernommen wurde. Neu sind Zylinder und Zylinderkopf: 463 cm³ (96 × 64 mm), zwei obenliegende Nockenwellen (DOHC) statt einer, Verdichtung 12,5 : 1. Dazu eine zweite Lambda-Sonde – bedingt durch Euro 5+ –, eine Ride-by-Wire-Drosselklappe und ein zusätzlicher Ölkühler. Es ist also kein komplett neuer Motor, sondern ein gründlich überarbeiteter Kopf auf bekanntem Unterbau.

Eckdaten 2018–2024 Zongshen ab 2025 Minarelli
Hubraum 449 cm³ (94,5 x 64 mm) 463 cm³ (96 x 64 mm)
Ventiltrieb SOHC, 4 Ventile DOHC, 4 Ventile
Verdichtung 10,8 / 11,5 : 1 12,5 : 1
Gemischbildung Einspritzung, 34 mm Einspritzung, 40 mm, Ride-by-Wire
Lambda-Regelung eine Sonde zwei Sonden (Euro 5+)
Kühlung Wasser Wasser + zusätzlicher Ölkühler
Abgasnorm Euro 4 (2018–20) / Euro 5 (2021–24) Euro 5+
Werksleistung (Motor) 40 PS 44,4 PS

Getriebe und Übersetzung

Mit dem Modellwechsel wurde nicht nur am Motor gearbeitet, sondern auch an der Gesamtübersetzung. Der Primärtrieb ist unverändert (64/28 = 2,286), und die internen Übersetzungen der ersten vier Gänge sind identisch geblieben. Länger geworden sind der fünfte und sechste Gang sowie die Sekundärübersetzung: Unser 2019er-Testmotorrad lief mit 52/13 (Endübersetzung 4,000), das 2024/25er-Modell mit 45/14 (3,214). In Summe ergibt das eine rund 13 Prozent längere Endübersetzung im fünften und sechsten Gang. Die Daten sind den Bedienungsanleitungen von Fantic entnommen.

Das Prüfstand-Setup

Gemessen wurde auf einem Dynojet-Rollenprüfstand bei Peuker & Streeb. Die Läufe wurden von einem sehr erfahrenen, in der IDM erprobten Prüfstandsbetreiber durchgeführt. Erfasst wurde die Hinterradleistung; parallel dazu eine externe Breitband-Lambda-Sonde im Endrohr, unabhängig von der Motorsteuerung. So sehen wir nicht nur, wie viel Leistung am Rad ankommt, sondern auch, wie fett oder mager der Motor das Gemisch fährt.

Beide Maschinen wurden auf Betriebstemperatur gebracht und dann mehrere Volllastläufe im fünften Gang aufgenommen – ohne technische Änderungen oder Pausen zwischen den Messungen. Insgesamt sind es acht Volllastläufe: drei mit dem Zongshen, fünf mit dem Minarelli. Den Minarelli haben wir zusätzlich im neuen All-Terrain-Modus gemessen; bei den Modellen bis einschließlich 2024 lässt sich das Mapping nicht ändern.

Wichtig für die Einordnung ist die Laufleistung. Der Euro-4-Zongshen hat bereits rund 19.000 km abgespult, der neue Euro-5+-Minarelli steht bei etwa 900 km und ist damit gerade eingelaufen. Eine nennenswerte Leistungszunahme mit weiterer Laufleistung ist beim Minarelli nicht mehr zu erwarten. Umgekehrt ist der Zongshen mit 19.000 km vermutlich bereits über seinem optimalen Bereich – kleine Einzylinder dieser Klasse laufen selten mehr als 50.000 km, häufig ist vorher eine Revision fällig, besonders bei hoher thermischer Belastung. Das hier ist also bewusst kein Neu-gegen-Neu-Vergleich, sondern ein Ist-Vergleich: neuer Minarelli gegen gut gefahrenen Zongshen.

Die Kernzahlen: Leistung und Drehmoment

Der beste gültige Lauf des Zongshen liegt bei 33,5 PS am Hinterrad, der des Minarelli bei 37,4 PS. Das sind +3,9 PS für den neuen Motor, also rund 12 Prozent mehr Spitzenleistung (bester Lauf). Der Zongshen erreicht sein Maximum bei rund 8.040 U/min, der Minarelli bei 7.249 U/min.

Beim Drehmoment liegt der Zongshen bei 34,6 Nm, der Minarelli bei 37,4 Nm – ein Plus von 2,78 Nm oder rund 8 Prozent. Beide Motoren haben ihren Drehmoment-Peak bei etwa 6.000 U/min, doch der Minarelli hält das Moment länger. In der Praxis bedeutet das: Besonders bei höheren Geschwindigkeiten und Drehzahlen ab etwa 5.500 U/min fühlt sich der neue Motor spürbar kräftiger an.

Wo genau der Zuwachs anliegt, zeigt die Delta-Darstellung am deutlichsten. Bis rund 4.000 U/min ist der Unterschied gering – das ist der Bereich, in dem viele im Alltag unterwegs sind. Erst darüber öffnet sich die grüne Fläche zwischen den beiden Kurven, sowohl bei der Leistung als auch beim Drehmoment.

All-Terrain-Modus: gleiche Leistung, weichere Gasannahme

Den Minarelli haben wir ihn zusätzlich im All-Terrain-Modus gemessen. Im Diagramm liegen Road-Modus und All-Terrain-Modus praktisch übereinander, auch in der Spitzenleistung (37,44 PS gegen 37,34 PS). Der Grund ist technisch eindeutig: Der All-Terrain-Modus ändert nur die Throttle-Map des “Ride by Wire” Systems – gleicher Gasgriffwinkel, kleinere Drosselklappenöffnung, weichere Aufzieh-Phase. Die eigentliche Motorabstimmung – Einspritzmenge, Zündzeitpunkt, Lambda-Sollwert – bleibt unverändert. Bei voll geöffneter Drosselklappe liegt deshalb in beiden Modi dieselbe Leistung an.

Auf der Rolle wird das Gas voll aufgerissen, deshalb fällt der Modus-Unterschied klein aus. Sichtbar wird er nur über die Zeit: Im Road-Modus dreht die Maschine den Sweep von 2.000 auf 9.000 U/min in rund 10,0 Sekunden hoch, im All-Terrain-Modus in 10,4 Sekunden – etwa 0,4 Sekunden langsamer. Beim Anfahren und bei ständig wechselnden Gasgriffstellungen ist dieser Unterschied im Alltag deutlich spürbar, an der Spitzenleistung ändert er nichts.

Drehzahlkeller

Der Zongshen ist bekannt für seinen Charakter im Drehzahlkeller: ruppig, rau, schlagend unterhalb von 3.000 U/min. Das zeigt sich auch in den Messdaten. Wir haben die Streuung zwischen den Einzelläufen im Bereich 2.000 bis 4.000 U/min ausgewertet. Beim Zongshen steigt sie um 3.000 U/min auf bis zu rund 3,5 PS und überschreitet die 2-PS-Schwelle deutlich. Der Minarelli bleibt durchgehend darunter – am unteren Ende um 2.100 U/min bei knapp 2 PS, ab etwa 2.600 U/min nur noch bei rund 0,3 PS. Der neue Motor läuft in diesem Bereich also deutlich gleichmäßiger und reproduzierbarer.

Das erklärt, warum sich der Minarelli im Stadtverkehr und beim Anfahren zahmer anfühlt: Aus 2.000 U/min zieht er zwar nicht kräftig, aber sauber durch. Der Zongshen fängt erst bei rund 2.450 U/min an, ansatzweise Vortrieb aufzubauen. Damit ist der Minarelli etwa 400 Umdrehungen früher sinnvoll nutzbar.

Das Gemisch: warum der neue Motor so fett läuft

Mit der Breitband-Lambda-Sonde im Endrohr lässt sich das Kraftstoff-Luft-Gemisch direkt im Abgas bewerten. Gemessen wird ein Volllast-Sweep: Gas voll auf, Rolle wird beschleunigt. Der Sweep startet auf der Rolle erst bei rund 2.000 U/min, beim Zongshen sogar erst bei etwa 2.400. Der Leerlauf bei 1.600 U/min liegt darunter und wurde hier nicht gemessen. Aussagekräftig sind die Werte ab etwa 3.500 U/min – darunter magert das Gemisch durch das Gasaufreißen und den kurzzeitigen Luftüberschuss zunächst ab, bis nachgeregelt ist und sich ein stabiles Volllast-Gemisch einstellt. Das elektronische Gas des Minarelli dämpft diesen Effekt zusätzlich.

Hier zeigt sich der größte Unterschied in der Motorabstimmung. Der Zongshen startet später, braucht etwas länger, bis er auf knapp Lambda 1 einregelt, und bleibt dann im Bereich λ ≈ 0,94 bis 0,98. Technisch ist das zwar ein fettes Gemisch (λ < 1), für eine Volllastmessung sprechen wir bei diesem Wert aber von einer eher mageren Abstimmung – maximale Motorleistung wird in der Regel erst bei etwa λ = 0,88 erreicht.

Der Minarelli zeigt ein komplett anderes Bild. Er läuft über den ganzen Lastbereich konstant deutlich fetter, verwendet also weniger Luftmasse pro Kilogramm Kraftstoff. Zur Einordnung: Bei λ = 1, dem stöchiometrischen Gemisch, werden 14,7 kg Luft pro Kilogramm Kraftstoff verbrannt. Der Minarelli liegt unter Volllast bei λ ≈ 0,80 – das entspricht einem Luft-Kraftstoff-Verhältnis (AFR) von rund 12 : 1 und ist ein bereits sehr fettes Gemisch an der Grenze zur Rußbildung. Im oberen Volllastband (etwa 6.500 bis 9.000 U/min) liegt der Zongshen bei rund λ 0,94, der Minarelli bei rund λ 0,80 – das Gemisch ist also etwa 18 Prozent fetter.

Für die Hauptuntersuchung ist das nicht entscheidend. Die HU misst stationär im Standgas und dort regelt jede serienmäßige Motorsteuerung nach gesetzlicher Vorgabe auf Lambda 1 – ein anderer Betriebspunkt als unsere Volllastmessung.

Warum also fährt der Minarelli das fette Volllast-Gemisch? Zwei Gründe. Erstens Mehrleistung: Ein fetteres Gemisch kühlt den Brennraum zusätzlich, erlaubt mehr Frühzündung und liefert oben heraus ein paar Prozent mehr. Zweitens Bauteilschutz. Der alte Zongshen ist dafür bekannt, bei längerer Volllast den Krümmer zum Glühen zu bringen – eine Folge seiner mageren Abstimmung. Der Minarelli schützt seinen höher verdichteten DOHC-Kopf bewusst durch das fettere Gemisch: Verdampfendes Benzin kühlt den Auslass.

Die Konsequenzen sind ein moderat höherer Verbrauch und eine schlechtere Abgasnachbehandlung über den 3-Wege-Kat im Volllastbereich. Im Gegenzug ist der Motor thermisch entspannter, die Ventile halten länger, und es bleibt mehr thermische Reserve. Dazu passt auch die Zündkerzen-Umstellung: Die NGK ER9EH-6N wurde durch eine standfestere Iridiumkerze NGK LMAR9AI-8 ersetzt. Aus Erfahrung empfehlen wir die passende Iridium-Variante auch im Zongshen-Motor (2018–2024): NGK ER9EHIX.

Hinterrad oder Motor? Ein Blick auf die Werksangabe

Ein Prüfstand misst am Hinterrad. Auf dem Weg dorthin gehen über Kette, Ritzel, Getriebe und Reifen-Walk-Verluste PS verloren. Wie viel genau, haben wir nicht durch eine Messung bestimmen können. Die Fachliteratur nennt für Einzylinder-Motorräder mit Kettenantrieb typischerweise acht bis fünfzehn Prozent. Wir rechnen daher mit zehn Prozent – ein realistischer mittlerer Wert für eine warmgefahrene Einzylinder-Enduro mit gut geölter Kette.

Damit ergibt sich am Motor rund 37,3 PS für den Zongshen und etwa 41,6 PS für den Minarelli. Fantic gibt im Datenblatt 40 PS beziehungsweise 44,4 PS an. Beide Motoren liegen also rund 6 bis 7 Prozent unter der Werksangabe – nicht schön, aber für eine Prüfstandsmessung nicht ungewöhnlich.

Wer profitiert am meisten?

Peak-Werte sind das eine. Was im Alltag zählt, ist die Mehrleistung in dem Drehzahlband, in dem man tatsächlich unterwegs ist – und zwar als Mittelwert über das ganze Band, nicht nur an der Spitze. Genau dort fällt der Vergleich je nach Fahrertyp unterschiedlich aus.

Fahrertyp Typisches Drehzahlband Mehrleistung (Mittel im Band) Mehrdrehmoment (Mittel im Band) Fühlbarkeit
Stadt- / Pendlerfahrer 3.000–5.500 U/min +1,20 PS (+6,5 %) +2,48 Nm (+8,3 %) spürbar
Tourenfahrer / Landstraße 4.500–7.000 U/min +2,02 PS (+7,5 %) +2,58 Nm (+7,9 %) spürbar
Offroad- / Schotter-Fahrer 4.000–6.500 U/min +1,42 PS (+5,8 %) +2,08 Nm (+6,4 %) spürbar
Sportlicher Asphalt-Fahrer 6.500–9.000 U/min +3,88 PS (+12,0 %) +3,64 Nm (+12,2 %) sehr deutlich
A2-Einsteiger 3.000–7.500 U/min +1,97 PS (+8,3 %) +2,83 Nm (+9,1 %) spürbar
Autobahn-Pendler 110–130 km/h 6.000–8.500 U/min +3,41 PS (+10,7 %) +3,43 Nm (+11,0 %) sehr deutlich

Am stärksten profitiert, wer sportlich fährt oder die Autobahn bei 110–130 km/h nutzt – dort liegen rund +11 bis +12 Prozent voll im genutzten Drehzahlfenster. Für Tourer und Offroader ist der Gewinn mit etwa +6 bis +8 Prozent real, aber moderat. Die bessere Fahrbarkeit unterhalb von 3.000 U/min geht in diese Mittelwerte nicht ein – sie wirkt zusätzlich, und zwar genau dort, wo Stadt- und Einsteigerfahrer unterwegs sind.

Praxis-Eindruck: 2.000 km, davon 1.100 km Sardinien

So viel zur Messung – jetzt zur Praxis. Wir haben die 2025er über zweitausend Kilometer gefahren, davon 1.100 km Offroad auf Sardinien. Das sind die Erfahrungen, die man auf dem Dyno nicht machen kann.

Die deutlichste Veränderung am Motor ist die Gasannahme. Sie ist spürbar weicher und besser dosierbar als beim Vorgänger. Fantic hat die bekannte Kritik an der Fahrbarkeit der alten Modelle aufgenommen und über die Kombination aus Ride-by-Wire und DOHC-Kopf eine saubere, frühe Lastannahme ab rund 2.000 U/min umgesetzt – ohne das Stolpern oder Zuckeln, das der Zongshen in diesem Bereich zeigt. Der Motor wirkt insgesamt kultivierter und läuft geschmeidiger. Das ist technisch ein Fortschritt, emotional wird er dafür etwas sachlicher: Der harte Einzylinder-Schlag des Zongshen fehlt ein wenig.

Die Mehrleistung oben heraus spürt man, aber nur, wenn man sie abruft – beim Überholen oder bei zügiger Fahrt. Im tatsächlich meistgenutzten Band von 3.000 bis 5.000 U/min fühlen sich beide Maschinen sehr ähnlich an; der Unterschied fällt dort kleiner aus, als es das Peak-Delta vermuten lässt. Über die gesamten 2.000 km lief der Motor in allen Zuständen tadellos – kein Verschlucken, keine Kaltlaufschwäche, keine Aussetzer bei Lastwechsel.

Ein Kritikpunkt bleibt: der All-Terrain-Modus. Er lässt sich nur umständlich aktivieren und ist ohne Handbuch im Gelände nicht intuitiv. Man braucht ihn, weil er die einzige Möglichkeit ist, das ABS abzuschalten – dummerweise entschärft er zugleich das Gas-Mapping. Weil der Motor in der Road-Abstimmung ohnehin fein dosierbar ist, wirkt er im Gelände-Modus unnötig träge. Unser Wunsch an Fantic: eine ABS-Abschaltung als eigenständige Funktion im Road-Modus, ohne Moduswechsel und ohne Handbuch-Blick im Gelände.

Der größere Gewinn der 2025er liegt allerdings nicht zwingend im Motor, sondern im Fahrwerk. Das 21-Zoll-Vorderrad statt 19 Zoll, der etwas flachere Lenkkopf (24,5° statt 24°) und vor allem die deutlich feiner ansprechenden Federelemente verändern die Maschine im Gelände stark. Schlaglöcher und kurze Bodenwellen, bei denen die alten Modelle hart aufschlagen und Bodenkontakt verlieren, schluckt die 2025er weitgehend weg und bleibt auf dem Boden.

Am deutlichsten wird das in der Traktion. Wir haben auf losem Untergrund direkt gegeneinander beschleunigt: gegen eine Serien-Euro-4-Rally mit Continental Anakee Wild (17 Zoll hinten) und gegen unsere eigene Caballero „Superleggenda" mit Mitas Trial XT (18 Zoll hinten). Mit Fahrer- und Spurwechsel, über mehrere Durchgänge – die 2025er war jedes Mal vorne. Das ist nicht allein die Motorleistung, sondern auch das Fahrwerk und die Geometrie, die den Reifen konstanter auf dem Boden halten. Auf losem Untergrund ist die gehaltene Haftzeit pro Radumdrehung das, was tatsächlich beschleunigt – nicht die nominelle Hinterradleistung. Für Offroad- und gemischten Einsatz ist dieses Fahrwerks-Update aus unserer Sicht das wertvollere Argument der 2025er; für reine Straßentouren relativiert sich der Effekt.

Ergonomie: Die umgestaltete Auspuffführung macht die Taille im Knie- und Schenkelbereich spürbar schmaler – im Stehen wirkt das Motorrad kompakter und geschlossener. Noch wichtiger sind die breiten TERRAGRIP-Rally-Fußrasten: Die größere Auflagefläche nimmt Druck aus dem Fußballen und verbessert Gefühl und Kontrolle in langen Steh-Passagen erheblich. Für die Caballero ist das ein echter "Game-Changer" (Kundenzitat).

Beim Verbrauch liegt die 2025er rund 0,5 l/100 km über dem Euro-4-Vorgänger – was zum messtechnisch belegten, fetteren Volllast-Gemisch passt. Die Öltemperaturen auf der Tour bewegten sich auf dem Niveau des Vorgängers oder leicht darunter. Fettes Gemisch, zusätzlicher Ölkühler und größerer Wasserkühler – die Kühlstrategie geht auf. Und das Wichtigste nach 2.000 km, davon 1.100 km Offroad: keine Defekte, keine losen Schrauben, keine Leckagen. Bei einem in zentralen Komponenten neu aufgelegten Motorrad ist das nicht selbstverständlich.

Fazit: kaufen, behalten oder upgraden?

Der neue Minarelli ist der bessere Motor. Technisch auf dem aktuellen Stand, kultivierter im Alltag, thermisch entspannter und oben heraus rund zehn Prozent stärker. Der Zongshen ist deshalb aber kein schlechter Motor. Er ist konservativ abgestimmt, hat seine Schwächen untenrum, läuft mittlerweile aber zuverlässig. Wer eine gepflegte Gebrauchte im Auge hat und überwiegend in den mittleren Drehzahlen fährt, trifft damit eine gute Wahl.

Preislich reden wir über rund 2.500 Euro Unterschied – grob 7.500 Euro für eine Neue gegen etwa 5.000 Euro für eine gepflegte Gebrauchte. Unsere Empfehlung: Wer bereit ist, etwas mehr zu investieren, bekommt mit der neuen Caballero viele sinnvolle Updates, nicht nur am Motor – sie lohnt sich. Wer ein schmaleres Budget hat, nimmt eine gute Gebrauchte und steckt das gesparte Geld in Touren, Abenteuer und Erlebnisse.

Häufige Fragen zur Caballero 500 (FAQ)

Wie viel PS hat die Fantic Caballero 500 am Hinterrad?

In unserer Messung erreicht der Euro-4-Zongshen 33,5 PS, der Euro-5+-Minarelli 37,4 PS am Hinterrad (Dynojet, bester Lauf). Das entspricht rund 37,3 bzw. 41,6 PS am Motor bei angenommenen 10 % Antriebsverlust. Fantic gibt im Datenblatt 40 bzw. 44,4 PS an.

Wie groß ist der Leistungsunterschied zwischen Euro 4 und Euro 5+ wirklich?

Am Hinterrad sind es maximal +3,9 PS (rund 12 %) und +2,8 Nm (rund 8 %). Der Zuwachs liegt überwiegend oberhalb von 4.000 U/min; bis dahin sind beide Motoren nahezu gleichauf.

Ist der Minarelli-Motor ein komplett neuer Motor?

Nein. Der Grundmotor wurde unverändert von Zongshen übernommen. Neu sind Zylinder und Zylinderkopf: 463 cm³, DOHC statt SOHC, 12,5 : 1 Verdichtung, dazu Ride-by-Wire, zweite Lambda-Sonde und ein zusätzlicher Ölkühler. Derselbe Zongshen-Grundmotor steckt übrigens auch in anderen Modellen wie der Kove 450.

Warum läuft der neue Motor so fett (λ ≈ 0,80)?

Aus zwei Gründen: für etwas mehr Leistung oben heraus und für den Bauteilschutz. Das fettere Gemisch kühlt Brennraum und Auslass und schützt den höher verdichteten DOHC-Kopf. Der magerer abgestimmte Zongshen (λ ≈ 0,94) ist dagegen dafür bekannt, bei langer Volllast den Krümmer zum Glühen zu bringen.

Bringt der All-Terrain-Modus weniger Leistung?

Nein. Die Spitzenleistung ist im Road- und im All-Terrain-Modus praktisch identisch (37,44 vs. 37,34 PS). Der All-Terrain-Modus ändert nur die Gasannahme – kleinere Drosselklappenöffnung und weichere Aufzieh-Phase –, nicht die eigentliche Abstimmung.

Lohnt sich der Umstieg auf die 2025er?

Für sportliche Fahrer und Vielnutzer der Autobahn am stärksten, weil die Mehrleistung dort im genutzten Band liegt. Für Offroad-Fahrer ist nicht der Motor, sondern das Fahrwerk (21"-Vorderrad, feinere Federung, mehr Traktion) das entscheidende Argument. In der Stadt überzeugt vor allem die bessere Fahrbarkeit untenrum.

BEROTEC GmbH
Allgemein

Kettenspray, Öl von Hand, Kettenöler, Heißwachs oder gar nicht schmieren: Alle gängigen Methoden im Vergleich. Dazu Kette reinigen und spannen, die richtige Schmiermenge, das...
13.10.2026,
BEROTEC GmbH
Angeschlossene Verbraucher ziehen auch im Ruhezustand Strom. Der Batteriewächter trennt sie, bevor die Batterie tiefentladen wird – mit zehn Schaltstufen für Blei- und...
22.09.2026,
BEROTEC GmbH
Wer leistungsstarke Verbraucher am Motorrad betreibt, sollte sie nicht direkt an eine dünne Fahrzeugleitung hängen. Ein Leistungsrelais entkoppelt Steuer- und Laststrom – so...
31.08.2026,
BEROTEC GmbH
Vom BMW-SZ-Stecker über die ACC-Anschlüsse von KTM bis zu den Sumitomo-Steckern der japanischen Hersteller: Welche werksseitigen 12V-Anschlüsse es gibt, wie sie belegt sind und wie...
18.08.2026,
BEROTEC GmbH
Ich bin bereits Kunde
Anmeldung für registrierte Kunden
Anmelden

Produkt direkt in den Warenkorb legen:

Du kannst nach Art.Nr. oder nach EAN/GTIN suchen, um das Produkt schnell in den Warenkorb legen zu können.